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ZDF Online / Mittagsmagazin - 18.02.2002
 
Sein Name ist Rido Busse und seine Mission heißt "Kampf den Plagiaten". Die von ihm gegründete Initiative "Aktion Plagiarius" vergibt alljährlich einen Preis für das Produkt, das ein Original am perfektesten nachahmt. Damit soll die Öffentlichkeit und der Gesetzgeber stetig auf die Produkt-Piraterie und ihre Folgen für Hersteller und Kunden aufmerksam gemacht werden.

Gerade in diesen Tagen wurde der "Plagiarius 2002" wieder in Frankfurt am Main verliehen. Der Professor und Designer Rido Busse erzählt Geschichten und Anekdoten rund um Produkte und Markenpiraten.

Die "Aktion Plagiarius"
1977 entdeckte der Diplom-Designer Busse auf einer Messe in Frankfurt am Main eine Brief- und Diätwaage, die Jahre zuvor von seiner Designfirma entwickelt und von der Firma Soehnle bereits 1965 auf den Markt gebracht worden war. Doch die Waage, die Busse in den Händen hielt, stammte von einem Hersteller aus Hongkong, der das Produkt aus dem Schwäbischen einfach kopiert hatte - ohne Genehmigung. Und nicht nur das: Der Hersteller aus Fernost verlangte für "seine" Waage mehr als 50 Prozent weniger. Die Ähnlichkeit der beiden Produkte war aber nur äußerlich: Statt hochwertigem ABS-Kunststoff verwendete der Plagiator Polypropylen, was die Genauigkeit des Wiegens beträchtlich beeinflusste. Die Firma Soehnle erwirkte eine einstweilige Verfügung und dem Plagiator aus Hongkong wurde der Vertrieb der Waage untersagt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 100.000 Stück der billigen nachgemachten Waagen verkauft worden.

Negativpreis gegen Produkt-Piraterie
Das Schutzrecht ließ Produkt-Piraten viele Möglichkeiten zu Mogeln offen, musste Rido Busse feststellen. Schnell stand sein Entschluss fest, durch die Vergabe eines Negativpreises die Medien, die Öffentlichkeit und vor allem den Gesetzgeber auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Den Preis nannte er "Plagiarius" und erster Preisträger war der eben jener Waagen-Hersteller aus Hongkong. Jedes Jahr findet seither die "Plagiarius"-Verleihung statt. 1980 übernahm der Verband Deutscher Industrie-Designer VDID die Schirmherrschaft, und seit 1986 ist die "Aktion Plagiarius" ein Verein.

Aktion hat einiges bewegt
Eine ganze Menge hat sich seit der Gründung der "Aktion Plagiarius" getan: die Öffentlichkeit und der Gesetzgeber sind für das Problem der Produktpiraterie sensibilisiert worden. Auch die Unternehmen haben verstanden, dass sie gegen die Billig-Piraten vorgehen muss, um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) hat den Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM) gegründet: auf Antrag durch den Originalhersteller werden nach Deutschland eingeführte Plagiate und Fälschungen beschlagnahmt und aus dem Verkehr gezogen.

Der öffentliche Druck ist inzwischen derart hoch, dass jährlich zwischen 5 und 10 Prozent der eingereichten Plagiate von den Plagiatoren selbst wieder vom Markt genommen werden oder sie sich bereit erklären, eine Lizenz zu zahlen - allein durch die Ankündigung, das nachgemachte Produkt in den Wettbewerb um den "Plagiarius" aufzunehmen.

Plagiate zum Anschauen
Die schönsten Plagiate werden jetzt auch ausgestellt: im vergangenen November wurde in Berlin das Plagiarius-Museum eröffnet. Auf 120 Quadratmetern können dort die Besucher Originale und Kopien miteinander vergleichen. Busse wählte den Standort seines Museums ganz bewusst in der Nähe des Regierungsviertels. Er wollte "ganz nah an der Bundespolitik" sein, damit "vielleicht der Bundeskanzler mal mit einer asiatischen Delegation vorbeischaut."

Weitere Informationen Der Verein gegen Produkt-Piraterie ist per Telefon unter 07308 / 922 422 oder per Post unter:
Aktion Plagiarius, Nersinger Straße 18, 89275 Elchingen/Unterelchingen erreichbar.

Das Plagiarius-Museum befindet sich in Berlin-Prenzlauer Berg in der Schönhauser Allee 37.
 
 
 
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